Podiumsdiskussion – «Nachhaltiger Tourismus – Illusion oder Realität?»
Am 17. Spirit Event vom 23. August 2010 wurde das Thema Nachhaltigkeit ins Zentrum gestellt. In der Podiumsdiskussion «Nachhaltiger Tourismus – Illusion oder Realität?» diskutierten Kai Spehr von myclimate, René Dobler von der Schweizerischen Stiftung für Sozialtourismus (Jugendherbergen Schweiz), Mila Trombitas vom Schweizer Tourismus-Verband sowie Frank Bumann von Zürich Tourismus, wie stark Nachhaltigkeit im Schweizer Tourismus bereits verankert ist und welche Massnahmen von welchen Parteien zwingend erforderlich sind. Es hat sich gezeigt, dass zwar Bestrebungen in allen Bereichen der Nachhaltigkeit vorhanden sind, diese aber oft zu wenig bekannt sind. Abgesehen von einigen Vorzeige-Beispielen ist die Schweiz im internationalen Vergleich im Rückstand. Es fehlen Branchenlösungen und Know-how.
Eines der Vorzeige-Beispiele sind die Schweizer Jugendherbergen. Diese haben Ihre Betriebe bereits seit längerem nachhaltig ausgerichtet und insbesondere beim Bau der Liegenschaften auf ökologisch optimale Bauweise geachtet. Es hat sich gezeigt, dass die Betriebe vor allem in diesem Bereich Massnahmen ergreifen müssen. Auf der Gästeseite ist es schwierig, Massnahmen umzusetzen, da man die Gäste nicht erziehen kann. Die Besucher reagieren erfahrungsgemäss abwehrend gegenüber dem Thema, wenn erzieherische Massnahmen auf Gäste-Ebene eingeführt werden. Vielmehr ist es wichtig, Nachhaltigkeit als Erlebnis zu inszenieren.
Die Aufgabe des Schweizer Tourismus-Verbands liegt in der Koordination der Anliegen aller Mitgliederorganisationen. Hauptziel ist es, eine Gesamtbranchenlösung für Tourismusbetriebe zu erreichen. Aufgrund der Heterogenität und auch der kleinbetrieblichen Strukturen der Betriebe ist man heute aber noch weit von der Umsetzung einer solchen Lösung entfernt. Während der Podiumsdiskussion wurde zudem aufgezeigt, dass Massnahmen bisher zu wenig effektiv umgesetzt werden. Vielmehr beschränken sich viele Tourismusbetriebe auf die Nennung bestehender herausragender Merkmale wie intakte Landschaften. Um im Bereich des nachhaltigen Tourismus jedoch einen Schritt weiterzukommen, braucht es innovative Treiber und neue Technologien. Zudem muss darauf geachtet werden, dass in erster Linie im Städtetourismus Massnahmen notwendig sind – und nicht im alpinen Tourismus. Der Städtetourismus weist nämlich einen markant grösseren Footprint auf.
Auch im Bereich der Schulung und Ausbildung liegt ein grosser Nachholbedarf. Schliesslich besteht das grösste Hindernis aber darin, dass sich die Branche wagen muss, erste Schritte zu gehen und auch einmal ins kalte Wasser zu springen. Nur so kann man im Bereich der Nachhaltigkeit weiterkommen.
Die wichtigste Aufgabe des Branchenverbandes (STV) besteht darin, der Branche bei diesen Schritten zu helfen, zu sensibilisieren, zu informieren und zu motivieren – mit dem Ziel, eine branchenspezifische Lösung zu finden.
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